Focus Lyrik 2019

Ich war am Samstag den 9. März in Frankfurt bei dem Focus Lyrik Festival. Das war ein Sprachfest. Von sachlicher Lage-Analyse in welchem Verhältnis Umwelt und Lyrik stehen, über die Lyrik-Tradition und ihrem poetischen Umgang damit, bis zur sprachmächtigen Sprachuntersuchung der Sprachgewalt war alles relevant und angenehm sprachlich scharf gewürzt. Beim letzten Podium über Lyrik zwischen Pluralismus und Kanonisierung war besonders das leicht uneinvernehmliche Aufeinandertreffen von Ann Cotten und Ramy Al-Asheq interessant. Habe mir daraufhin Fremdwörterbuchsonette von ihr und Gedächtnishunde von ihm gekauft. Beides sehr empfehlenswerte Gedichtbände.

Nun folgend meine verdichteten Notizen vom Tage, inklusive der Frage: Inwiefern, als Leitstern und Aufmerksamkeitsstar, ist Rap, die relevantere Lyrik?

Hardcore Leben, Software Lyrik, trotz vollphantasierter Festplatten, tasten wir arme Zipfel, den Klimagipfel nicht an, sondern schlafen über unseren Tastaturen, anstatt uns zu empören. Sichtbarmachung, ich denke, vielleicht sollte ich eine klimatisierte Bar aufmachen. Die Frage im Raum: Ist die Lyrik ihrer Zeit voraus? Ich denke, vorausgehen oder hinterherhängen sind beides visionäre Formen von einfach nur hängen, weil nichts mehr geht. Sprachhygiene, bis zur Sprachabschaffung, verkackte Nazis kann man nicht mit der Nazikeule eliminieren.

Rap, schwarze Poesie, was sagen wir, wir nicht wirklichen Weißen? Wo ist die Brücke, die Bridge, brüchiger Switch zur Bitch, glitschig glorifiziert, mit Aufstiegschancen zur holy mama, entgegen dem Kitsch, was also gilt es zu überqueren, zu überwinden? Und ist es zu verwinden,  dass die moderne Lyrik, teils weniger Relevanz und weniger Reim hat als ihr Sorgenkind Rap. Stattdessen Zeilenbrüche, als Stolpersteine, oft ohne Mehrwert oder Ausbruchs-Brisanz.

Pädagogik und Poesie haben einen Binnenkonflikt und passen nur dann zusammen, wenn man die Spitzen ihrer Latzen bricht. Oder lohnt es sich eine Latze zu brechen, für ein gemeinsames Niemandsland des Einvernehmen?  

Der finale Niederschlag

In letzter Zeit ist einiges an Gedichten entstanden, so als hätte ein Aufstand in mir getobt, der den bedächtigen Stillstand aus Anstand nicht mehr ertragen hat. Der aktuelle Stand sind über 50 lyrische Annäherungen an die Architektur, ein kleiner Band mit Kindergedichten, eine Gedichtsammlung die um Liebe und Politik kreist, sowie eine, begonen als Hommage an die Luft und das Fliegen, wozu das folgende Gedicht gehört:

Flugzeuge, die aus der Ferne aussehen, wie Libellen, die mich anbellen – als dringe ich unerlaubt in ihre Gefilde ein. 

Möwen, die aus der Ferne aussehen, wie Kratzer einer Katze – auf der weißen Haut meiner Braut.

Blütenstaub, der aus der Nähe aussieht, wie eine riesige Schäfchenwolke – die mich in den Todesschlaf versetzen will.

Welke Regenwolken, nageln ihr Wasser in die Bretter – die meine Welt bedeuten.

Von hier bis in den nahen Osten versammeln sich die sauren Killerwolken – für ihren finalen Niederschlag.

Liebe, Liebe, Liebe – amor, amor, amor

Der chilenische Film „Eine fantastische Frau – una mujer fantastica“ ist für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. Die Daumen sind gedrückt für diesen beeindruckenden Film aus meiner zweiten Heimat. Gesehen habe ich diesen sehr intensiven und relevanten Film im Hamburger 3001 Kino. Save the date: Sunday 4.3.2018 – Oscar night und ich werde in Chile sein, was ich feiern möchte mit meinem kurzen Gedicht: Erwärme mich mit Liebe – Calienta me con amor

Liebe, ich gebe alles was ich noch habe, Liebe, ich vergebe alles was war, Liebe, ich zergehe bei allem was noch kommt.

Amor, doy todo que me queda, amor, perdono todo lo que fue, amor, me caluro con todo lo que viene.

Kreativurlaub

Die über 300 Seiten starke erste Fassung meines „Liebes-Roman“ ist fertig. Nun brauche ich einen Kreativurlaub in meiner zweiten Heimat Chile. Das Laptop bleibt Zuhause  um mal wieder primär Poet zu sein, der Impressionen in Notizbüchern festhält und in und aus Gedanken Gedichte formt.